Heute durfte ich nun endlich mein Exemplar von Lovex’ brandneuem Album Watch Out! auspacken und in meinen CD-Player stecken. Voller Spannung hatte ich schon vor dem Wochenende der Lieferung aus Oulu entgegengefiebert und drehte schon fast am Rad, weil die Post wohl scheinbar etwas bummelig war. Daher dann heute große Freude, als ich den – handadressierten o.O – Umschlag vom Record Shop X (Schleichwerbung :D ) aufreißen und endlich den neuen Lovex-Klängen lauschen durfte. Nachdem ich schon einen Teaser gehört hatte und zwei Songs bereits in voller Länge kannte, war ich um so gespannter auf das Gesamtwerk, das ich nun in einem Song-by-Song-Review vorstellen möchte.

Queen Of The Night beginnt mit einem kurzen, halblauten Intro, um dann vom Fleck weg loszurocken. Vom Stil her erinnert mich der Song ein wenig an Schwedenrock à la Hardcore Superstar: Straight, rockig, mitreißend, mit Lead-Backing-Wechselgesang im Prechorus. Angesichts dessen, was man von den Jungs kennt, würde ich den Song nicht unbedingt als “typisch Lovex” einstufen, aber trotzdem ist es ein toller Opener, der Lust auf mehr macht.

U.S.A., die zweite Singleauskopplung aus dem Album, kannte ich schon vorher. Ein mitreißender Rocksong mit Ohrwurmpotenzial, bei dem ich allerdings immer noch nicht ergründen konnte, ob der Text jetzt als Glorifizierung Amerikas gemeint oder eher ironisch zu sehen ist. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass es sich um einen großartigen und mitsingtauglichen Song handelt, der mir so schnell nicht mehr aus Kopf und Ohren wollte!

Slave For The Glory war die Pre-Release-Single, ein Song, der anfangs aufhorchen ließ, war er doch ein erster Indikator für die Richtung, die Lovex mit ihrem neuen Album einschlagen wollten. Ein treibend-rockiger Song mit druckvollen Gitarrenriffs, einer mitreißenden Melodie und einem Text à la Lovex, ähnlich kritisch im Hinblick auf das Showbusiness wie einige Passagen in Anyone Anymore von ihrem ersten Album Divine Insanity.

Time Of Your Life ist der erste Song des Albums, der sich nicht als Full-Power-Rocksong zeigt, sondern sich mit einer etwas entspannteren Melodie präsentiert und dem Hörer die Gelegenheit gibt, kurz durchzuschnaufen. Bei diesem Song ergreift Theon die Gelegenheit, zu zeigen, dass seine Stimme auch für ruhigere Songs sehr gut geeignet ist. Der Song hat, obwohl ein vollwertiger Rocksong, einen balladesken Einschlag und verleitet zum Träumen, ohne dabei langweilig zu sein oder einfach nur dahinzuplätschern.

Watch Out! hat mich beim ersten Hören erstmal tierisch erschreckt: Ich war gerade noch halb am Träumen nach Time Of Your Life, da kracht mir Jukes Schlagzeugintro und Theons: “Watch out, watch out!” ins Ohr! Nach diesem krachenden Intro beruhigt sich der Song in der Strophe dann ein wenig, um dann im Chorus wieder gewohnt krachend-mitreißend loszurocken und dafür zu sorgen, dass ich nicht mehr still sitzen kann! Das Einzige, was ein wenig seltsam ist, ist die Tatsache, dass im Chorus eine Zeilenfolge auf behind-around-mind endet und Theon es so komisch ausspricht, dass mein Eindruck war, dass er krampfhaft versucht, es so klingen zu lassen, als würde es sich reimen. Ansonsten aber auch ein toller Song!

15 Minutes hat ein Intro, das auch bei einer Band wie The 69 Eyes oder Lord Of The Lost geklaut sein könnte. Der für Theons Verhältnisse recht dunkle, leicht verzerrte Gesang verstärkt den Eindruck noch, obwohl sich der Song im weiteren Verlauf im typischen Stil dieses Albums präsentiert. Textlich handelt es sich wieder einmal um einen recht kritischen Song über ein Mädchen oder eine junge Frau, die alles dafür tut, um berühmt zu werden, und sich dabei selbst verliert. Da frage ich mich manchmal, warum Lovex selbst im Musikbusiness herumdüsen, wenn sie das alles doch so kritisch sehen!

Crash My World ist wieder einmal ein etwas entspannterer Song, der – obwohl ein vollwertiger Rocksong – die Gelegenheit zum Durchatmen gibt. Stimmlich schön gemacht und wieder mit einem mitreißenden Chorus, aber insgesamt nicht ganz so ein Full-Power-Song wie viele andere Tracks.

Worlds Collide verleitet mit seinem Klavierintro und Theons sanftem Gesang zu Beginn zum Träumen, sobald dann jedoch die E-Gitarren einsetzen, ist es damit vorbei, auch wenn der Song insgesamt von den Instrumenten eher zurückgenommen daherkommt, außer im Chorus, der aber trotzdem zum Rest des Songs passt. Neben Marble Walls der Song des Albums, der einer Ballade am nächsten kommt, insbesondere in den Strophen. Im Chorus verliert sich dieser Eindruck dann jedoch wieder ein wenig, so dass die Einstufung als Rock-Ballade wohl am passendsten ist.

One hat mich vom ersten Takt an in seinen Bann gezogen. Ein atmosphärischer, fesselnder Song mit einer ohrwurmverdächtigen Melodie, die sich wie aus einem Guss durch den Song zieht und ihn zu meinem momentanen Favoriten macht.

Marble Walls ist wohl die einzige “echte” Ballade des Albums. Ein schöner Song, der einen abschließenden Kontrast zum Full-Power-Programm, welches der Rest des Albums darstellt, bildet. Sehr schön ist auch, dass Theon seine Stimme noch einmal voll ausspielt. Aufgrund seiner Atmosphäre kann ich mir diesen Song auch als einen sehr guten Livesong vorstellen.

Fazit: Ein tolles, gelungenes Album, mit dem sich Lovex ein Stück weit neu erfunden haben, ohne dabei aber jedoch so stark von ihrem altbekannten Stil abzuweichen, als dass sie Gefahr laufen würden, allzu viele ihrer alten Fans zu verprellen.  Natürlich wird dem Einen oder der Anderen wahrscheinlich der “neue” Sound nicht gefallen, mir persönlich gefällt dieses Album jedoch jetzt schon fast besser als Pretend Or Surrender, phasenweise empfinde ich die Songs auch als eine Art Rückkehr in die alten Divine Insanity-Zeiten, erinnert mich dieser treibende, kraftvolle Sound doch an Songs wie Bleeding, Anyone Anymore und Shout. Auf jeden Fall denke ich, dass die Songs auch live großartig funktionieren werden, weshalb ich hoffe, dass ich es dieses Mal endlich mal zu einem Konzert der Jungs schaffe, sollten sie denn nach Deutschland kommen!